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Die Schmerzpsychologie Teil 1: Zauberpuste gegen Geburtsschmerzen

Wenn es zum Thema Geburt kommt, geht es meistens um Schmerzen. Das ist eine der beiden Hauptsorgen, die eine Schwangere beschäftigt. (Die andere ist die Gesundheit des Babys.)

Ich möchte Euch zu Beginn dieses Weges in die Welt der Schmerzpsychologie eine kleine Anekdote erzählen: in meiner Ausbildung zur Hypnobirthing-Kursleiterin bin ich einer ganz fantastischen Hebamme (Nicola) begegnet. Sie arbeitet in einem Berliner Krankenhaus und begleitet Frauen bei ihren selbstbestimmten Geburten. Das tut sie sogar im Dunkeln, wenn das der Wunsch der werdenden Mama ist (die Ärzte gewöhnen sich wohl langsam daran 😉 ). Noch ziemlich am Anfang ihrer Berufslaufbahn als Hebamme, kam eine “Zigeunerin“ auf die Entbindungsstation. Ich weiß nicht genau, wie sie der werdenden Mutter die Frage nach der Schmerzstärke gestellt hatte, die Antwort der Frau lautete jedenfalls: “Wir Zigeunerinnen haben keine Schmerzen bei der Geburt!“. Sie war erstaunt. Ähnlich verwundert sind manche Hebammen heute, wenn sie das erste mal eine Hypnobirthing-Geburt miterleben. Und meistens glauben sie erst, dass was dran ist, wenn sie es noch einmal miterleben. aber nicht nur in anderen Kulturen und nicht nur mit Hypnobirthing sind sanfte, schmerzfreie Geburten möglich. Es gibt auch Frauen, die ohne Hypnobirthing oder andere besondere Vorbereitungen schmerzfrei Leben schenken. Sie sind jedoch leider in unserem Kulturkreis die Ausnahme.

In diesem und den folgenden Blogbeiträgen nehme ich euch mit auf die Reise in die Welt der Schmerzpsychologie. Als Psychologin arbeite ich seit 2014 stationär mit chronischen Schmerzpatienten- von schweren körperlichen Diagnosen bis zu psychischen Konflikten hat der Schmerz dort alle erdenklichen Ursachen. Und die Schmerztherapie hat dementsprechend mannigfaltige Antworten für die Schmerzbewältigung- von invasiv über medikamentös bis nichtmedikamentös.  Der heutige Kenntnisstand der Schmerzforschung hält eine große Bandbreite an Schmerzbeeinflussungsmethoden parat. Es gibt auch vielversprechende Studien, die den unglaublichen Einfluss psychologischer Schmerzbewältigungsstrategien während der Geburt zweifellos nachweisen. Hypnobirthingmethoden sind dabei nur eine Variante einer Vielfalt von Möglichkeiten.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage, ob jede Geburt schmerzhaft sein muss lautet ganz klar: NEIN! Jedoch sollte es gar nicht unser Hauptziel sein, eine schmerzfreie Geburt zu erleben. Viel wichtiger ist es, die Empfindungen, die während der Geburt aufkommen, bewältigen zu können. Ob du sie schmerzfrei, schmerzarm oder sogar schmerzintensiv erlebst ist gar nicht so entscheidend dafür, ob es eine gute Geburt war. Viele Frauen berichten durchaus von intensiven Gefühlen und Empfindungen oder Schmerzen, denen sie jedoch positiv begegnet sind und zum Beispiel als Zeichen für das Näherkommen des Babys deuten und schon allein das ist wahnsinnig hilfreich für den Umgang mit dem Erlebten.

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Photo by Pixabay on Pexels.com

 

 

Stell dir mal dein oder ein Kind vor, dass gerade Schmerzen hat, weil es hingefallen ist. Du als Erwachsener reagierst auf eine der beiden folgenden Weisen:
Variante 1: Oh du meine Güte, das tut bestimmt höllisch weh, nicht auszuhalten, oder? Es blutet ja auch ganz schrecklich.
Variante 2: Komm her Schatzl, ich puste mal, wie fühlt es sich an für dich? Komm, noch einmal Zauberpuste drauf, dann heilt es schnell und du merkst gleich gar nichts mehr.

Bei welcher Variante empfindet das Kind mehr Schmerz, was glaubst du?
Die Lösung ist nicht schwer, oder?
Bei Variante 1 empfindet das Kind mehr Schmerz.

Was hat das jetzt mit Geburten zu tun?
Die Sache ist die, Schmerz unterliegt einigen neurobiologischen Mechanismen. Und diese gelten für jedes Schmerzgefühl, egal wo es herkommt.

Was lernen wir aus den Beispielen mit dem Kind über Schmerzen:
Die Sprache, die wir benutzen, ist relevant („schrecklich und höllisch“ oder „“Zauberpuste ohne Schmerz“) – unser Gehirn analysiert nämlich eingehende Schmerzsignale danach, ob sie relevant und bedrohlich für unsere körperliche Unversehrtheit sind, oder nicht. Diese Informationen werden beeinflusst durch das, was wir denken, fühlen und erwarten. Hier führt die Sprache zu der Erwartung des Kindes, dass es „schrecklich“ ist –> schrecklich ist bedrohlich und muss also schmerzhaft sein. Daher empfindet es  einen starken Schmerz. In Variante 2 erwartet das Kind Zauberpuste und das baldige Verschwinden des Gefühls- so wird es dann vermutlich auch werden. Man nennt das den Noceboeffekt (Die Erwartung, dass Schmerz eintritt, bewirkt, dass Schmerz eintritt) bzw. den Placeboeffekt (bekannt vom Traubenzucker, der als Tablette getarnt tolle Wirkungen hervorruft im Körper).

In Bezug auf Geburtsschmerzen kann man schon von einem kollektiv oder kulturell bedingten Placeboeffekt des Geburtsschmerzes sprechen. Wir hören und sehen im Zusammenhang mit Geburt immer wieder das Wort Schmerz. So gehen wir ganz selbstverständlich davon aus, dass er da sein wird und zwar so stark, dass wir es kaum aushalten könne und eine PDA brauchen werden. Und so wird es dann in aller Regel auch.

Doch die körperlichen Signale spielen dabei in den allermeisten Fällen die allerkleinste Rolle. Körperlich gibt es Dehnungssignale und Druck. Diese Signale werden im Gehirn dann um ein zig-faches potenziert zu einem Schmerzerleben, weil dort unsere Erwartungen, unsere Vorstellungen, unsere Gedanken und Gefühle Einfluss nehmen auf diesen Prozess. Angst zum Beispiel führt zu einer Ausschüttung von Stresshormonen und zu einer Reduktion der Endorphinausschüttung. Die Endorphine sind unsere körpereigenen Schmerzmittel. Sie sorgen dafür, dass die Geburt schmerzarm oder schmerzfrei ist. Wird ihre Ausschüttung verhindert oder gestört, wird es unangenehmer, als es eigentlich sein müsste.

bty
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Wir brauchen also auch ZAUBERPUSTE für die Geburt! Ein paar erste Hinweise hast du hier im Text schon erhalten:

  1. Sprache: Worte erschaffen deine Realität, beeinflussen deine Empfindungen. Deswegen sagen Hypnobirthingmamas übrigens Welle statt Wehe und so nette Dinge 🙂
  2. Achte darauf, mit welchen Bildern du dein Gehirn fütterst: schau lieber schöne Geburtsfilme und ließ positive Geburtsberichte. (Ich habe im Facebook dazu eine Gruppe gegründet, tritt gerne ein, wenn du einen positiven Bericht beitragen möchtest oder eben solche lesen möchtest: Projekt gute Geburt- positive Geburtsberichte zum Mut machen)
  3. Wenn du Ängste hast, begegne ihnen vor der Geburt, damit die Angst deine Geburt nicht negativ beeinflussen kann.
  4. Achte auf deine GedankenAffirmationen können eine sehr gute Hilfe sein, um dich auf eine positive Geburt zu programmieren, oder sagen wir lieber, dass natürliche Geburtsprogramm, die urweiblichen Geburtsinstinkte nicht durch ungünstige Gedanken zu stören. (Affirmationen findest du in Kürze auch hier als kostenlosen Download.)
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Photo by Pixabay on Pexels.com

 

 

Hast du Fragen? Oder möchtest du deine Erfahrungen hier an der Stelle teilen? Dann tu dies gerne in den Kommentaren! Der Beitrag darf auch gerne geteilt werden.

Herzlichst, deine Steffi

 

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