Heute komme nicht ich zu Wort, sondern eine Mama, die 2018 mit Hypnobirthing ihre Geburt vorbereitet hat. Was sie dann erlebte, erfahrt ihr in ihrem wundervollen Geburtsbericht.

Mit solchen Berichten möchte ich euch eine realistische Idee vermitteln, wie Hypnobirthinggeburten sein können. Viel Freude beim Lesen und ein herzliches Dankeschön an dich, liebe Anne, dass du euren wertvollen Moment auf diese Weise mit uns teilt.

LEBEN SCHENKEN

ein Hypnobirthing-Geburtsbericht von Anne Ruitz

Es war 21Uhr am Abend des 23.06.2018. Es war einer der wenigen Tage des Sommers, die etwas kühler waren, Deutschland spielte gerade sein zweites Gruppenspiel der Weltmeisterschaft und ich lag bei meinem 4-jährigen Sohn im Bett und streichelte ihm den Rücken – er war kurz vorm Einschlafen. Der kleine Mann im Bauch war auch ruhig… bis ich einen beherzten Tritt im Oberbauch spürte und eine Art Knall. Ich erschrak und wusste sofort, dass etwas anders war. Kurz darauf spürte ich Flüssigkeit meine Beine hinunterlaufen. Meine Fruchtblase war geplatzt. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals, ich begann leicht zu zittern, die Aufregung hatte meinen ganzen Körper im Griff, denn ich wusste: Nun ist es soweit, nun gilt es anzuwenden, worauf ich mich die letzten 5 Monate – seit Beginn meines Hypnobirthing-Kurses – täglich vorbereitet hatte.

Es folgte kurzer Aufruhr als ich meinem Mann sagte, was geschehen war und mein großer Sohn war natürlich auch wieder wach geworden und freute sich, dass sein Brüderchen nun bald auf der Welt sein wird. Ich spürte indessen, dass es Zeit war, mich zurückzuziehen und zu entspannen. Mein Mann, der zugleich mein Geburtsbegleiter war, half mir meinen Raum vorzubereiten: Ich dimmte das Licht, zündete meine Duftkerze an und legte die Musik bereit, die ich mir für diese Phase der Geburt ausgesucht hatte. Ich verabschiedete mich von meinem Erstgeborenen, der – wenn ich ihn das nächste Mal sehe – ganz offiziell ein großer Bruder sein wird. Ich legte mich ins Bett, umhüllt von der weichen Bettwäsche, die ich liebte, Rosenduft und bronzefarbenen Licht, ich hörte die Regenbogen-Entspannung und wendete die Entspannungsatmung an, die nach 5 Monaten in Fleisch und Blut übergegangen war. Hier konnte ich mich Fallenlassen…Nach nicht einmal 20 Minuten setzten die ersten Geburtswellen ein. Sie waren ganz sanft und es lagen 15 Minuten Pause dazwischen. Ich habe es sehr genossen in dieser Phase der Geburt nur für mich zu sein, mit meinem Baby und mich einzustimmen. Es hat sich für mich nach etwas Rituellem, nahezu Heiligem angefühlt.

Nach einer Weile kam mein Mann zu mir, er legte sich neben mich, hielt meine Hand und streichelte mich in den Wehenpausen. Es war sehr nah zwischen uns, das war wirklich wunderschön. Als die Geburtswellen intensiver wurden und die Pausen kürzer, spürte ich, dass es Zeit war für einen Positionswechsel. Ich wechselte zwischen Hocken auf dem Boden und Hängen über dem Bettrand. Ich fühlte ganz deutlich, dass es in jeder Position letztlich darum ging, so gut wie möglich loslassen zu können, die Geburtswellen geschehen und die Gebärmutter arbeiten zu lassen. Je besser mir das gelang, desto einfacher fielen die Wellen der Eröffnungsphase. Dies ist auch der Grund, weshalb ich mich dann entschied ins Wasser zu gehen. Inzwischen war es ca. 0Uhr, Geburtswellen ca. aller 7 min. Meine Hebamme, die zugleich auch meine Mama ist, war ebenfalls eingetroffen und begleitete mich fortan mit. Der Gebärmuttermund war zu diesem Zeitpunkt etwa 3cm geöffnet. Das Wasser trug mich und mein Baby, die warmen Duschstrahlen massierten sanft meinen Rücken. Im Hintergrund lief immer noch die Musik der Regenbogenentspannung. Ich verlor ab diesem Moment jegliches Zeitempfinden, ich hatte die meiste Zeit meine Augen geschlossen, visualisierte mein Baby und meinen Gebärmuttermund, wendete die Atemtechniken an. Meine Mama meldete mir später rück, dass ich von außen betrachtet ruhig und vertieft wirkte. Die Wellen wurden zunehmend intensiver und ich wusste, es war nun Zeit in die Klinik zu fahren, wo mein Sohn auf die Welt kommen sollte. Es war nun ca. 3.30Uhr morgens.

Wie ich mir die Geburt und Bedingungen in der Klinik wünschte, habe ich im Vorfeld mit meiner Hebamme besprochen und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie die Umsetzung so ermöglicht hat. Endlich im Kreissaal angekommen (ca. 4.30Uhr), wollte ich sofort wieder ins Wasser. Es ging so viel leichter dort für mich. Mein Mann und meine Hebamme hielten den Rahmen, Musik, Duft, nur wir 3, wenn medizinisch nicht anders notwendig. Mein Muttermund war inzwischen vollständig geöffnet und ohne, dass ich dafür einen Befund brauchte, bemerkte ich dies. Ich spürte einen unglaublichen Druck, eine Kraft nach unten und ich begann intuitiv die Geburtsatmung anzuwenden. Auch die Geburtswellen fühlten sich nun anders an. Das Ziehen der Eröffnungsphase war völlig verschwunden, stattdessen war da nur noch ein kraftvoller Druck, der tatsächlich nicht schmerzhaft war! Ich wusste mein Baby ist nun im Becken, ich visualisierte es, mit jeder Geburtswelle spürte ich wie es tiefer rutschte, dem Ende des Geburtskanals näher kam. Wenige Wehen hat es nur gedauert – ich glaube es waren ungefähr 4 – dann war das Köpfchen da und nach einer letzten Ruhepause mit der 5. Welle der restliche Körper. Ich war selbst ein wenig überrascht, wie schnell das nun ging. Erschöpft nach diesem wundervollen, kraftvollen Ereignis konnte ich mein gesundes Baby nach nur 50min. in der Klinik überwältigt und glücklich in den Armen halten – 5.20Uhr am 24.6.2018. Wir waren beide völlig unversehrt und konnten noch am selben morgen wieder nach Hause gehen.

Hypnobirthing hat mich durch diese Geburt geführt und diese für mich zu einer bewussten und selbstbestimmten Erfahrung gemacht. Es hat mir Wissen vermittelt, was mir geholfen hat, den Geburtsprozess noch einmal neu zu verstehen und es hat mir Methoden (für mich v.a. Atmung und Visualisierung) für jede Phase der Geburt an die Hand gegeben. Es hat mich ermutigt, meinem Körper und der Natur zu vertrauen. Ich wusste zu jeder Zeit, was gerade passiert und was gut für mich ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich wünsche allen Frauen, dass sie die Geburt ihrer Kinder als solch eine wunderbare, heilige und kraftvolle Erfahrung erleben dürfen.

Anne ist im echten Leben Heilpraktikerin für Psychotherapie in Chemnitz…ihr findet sie hier:

http://www.sanari-familienpraxis.de

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